Farben-Liebe

Licht und Farbe

Bei der Wahrnehmung von Farbe spielen die Kontraste eine erhebliche Rolle. Einer der wichtigsten ist der Hell-Dunkel-Kontrast. Genau genommen sehen wir tendenziell entweder farbig und das mit dem winzigen Areal des Gelben Flecks in unseren Augen. Oder wir können, weil nicht sonderlich viel Licht da ist, nur Hell und Dunkel unterscheiden. Dann sehen wir nur Grautöne.

Links viel Licht und farbiges Sehen
Rechts wenig Licht und Hell-Dunkel-Unterscheidung

Anhand von Hell und Dunkel können wir bereits Formen erkennen. Farben halten aber noch deutlich mehr optische Informationen für uns bereit. Sie wirken natürlich auch auf unsere Gefühle. Die bunten Farben, die Menschen normalerweise sehen können, sind Licht in einer bestimmten Wellenlänge. Langwelliges Licht interpretieren wir beispielsweise als Rot.

Als Farbe sichtbare Wellenlängen des Sonnenlichts

Licht, also Helligkeit, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Sind in einem Bild mit figürlicher Darstellung Licht und Schatten logisch verteilt, entsteht für uns bereits gedanklich Volumen. Schon das erzeugt ein Gefühl von Räumlichkeit.
Oftmals werden für diesen Eindruck im Gemälde auch die unterschiedlichen Farbtemperaturen bewusst eingesetzt. Denn unser Gehirn ordnet im Sehprozess warme Farben in den Vordergrund, kalte in den Hintergrund. Dabei sind die warmen Farben diejenigen, die eher zu Rot tendieren, aus langwelligeren Licht. Kalte Farben sind in der Regel kurzwelliger.
Den Unterschied durch Wärme kann man manchmal sogar am Material nachvollziehen. Erhitzt man farbige Erden wie etwa Siena oder Umbra, verschiebt sich der Farbton ins Rötliche.

Diese Einordnung der Farben beruht auf unseren Erfahrungen mit unseren Wahrnehmungen in der Natur: Kommt mittags die Sonne von oben, fällt das Licht gerade von oben ein und ist kurzwelliger. Die Farben im Licht sind dadurch tendenziell kälter. Klingt komisch, ist aber so.
Da die Farben im Schatten immer die gegensätzliche Farbtemperatur zu den Farben im Sonnenlicht haben, gibt es dafür mittags warme Schattenfarben. Dazu passt, dass es grundsätzlich auch warme Blautöne wie Ultramarinblau gibt sowie umgekehrt auch kältere, helle Rottöne.

Diese Grundprinzipien gelten natürlich auch für die abstrakte Malerei. Das macht es möglich, rein farblich, also jenseits von perspektivischen Linien, bildliche Räumlichkeit entstehen zu lassen.
Durch das Spiel heller und dunkler, warmer und kalter, bunter und unbunter Farben kann ein Werk allein durch Farbe abwechslungsreich in der gewünschten Wirkung komponiert werden. Kein Wunder, dass sich die Farbe längst emanzipiert hat, vom reinen Kolorit einer Zeichnung, von Flächen und Linien. Gerade in der Farbmalerei ist die Farbe der Hauptdarsteller.

Abbildung des Titelbildes: Robert Delaunay, Rythme, Joie de vivre, 1930, Musée d´Art Moderne, Paris)

Kleine Abbildung im Text: August Macke, Landschaft Tegernsee, 1910
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

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